Wir sind Landtag

Geschrieben von Martin Glückert.

Im Rahmen des Planspiels „Wir sind der Landtag“ vollzogen die Marktheidenfelder Realschüler hautnah den recht komplexen Weg eines Gesetzes nach. Hierzu schlüpften sie in die Rolle von Politikern, deren Namen und Parteizugehörigkeit ihnen willkürlich zugewiesen wurde.

Es handelt sich hierbei um ein Kooperationsprojekt der Bayerischen Landtags sowie der Forschungsgruppe Jugend und Europa. Ziel ist es, komplizierte Abläufe und Strukturen lebendig zu vermitteln. Die Heranwachsenden werden auch dafür sensibilisiert, dass Entscheidungen in einer Demokratie oft mit Kompromissen behaftet sind. Zudem mussten sich die Schüler in eine komplexe Materie einarbeiten, die ihre eigene Lebenswelt betrifft: Soll der Verkauf und Ausschank von Alkohol eingeschränkt werden? Wie kann durch präventive Maßnahmen zum Schutz der Jugendlichen beigetragen werden?

Zunächst trafen sich die vier Fraktionen zu ihrer ersten Sitzung in den Fraktionsräumen (Klassenzimmern), um ihren eigenen Standpunkt in der Sache festzulegen. Während der ersten Lesung wurde die Wahl eines Landtagspräsidenten (Andre Oestel) getroffen und der Gesetzesentwurf an die Ausschüsse überwiesen. Von Anfang an überwog bei der Diskussion eher die sachliche Auseinandersetzung mit sinnvollen Argumenten. Hier fanden die einzelnen Parteien auch zu einem Konsens.

In der zweiten Lesung konnten die Schülerinnen und Schüler innerhalb des Plenums in kurzen Reden ihre Positionen durchaus pointiert darstellen. Unterstützt wurden sie  - wie im richtigen Landtag – durch den Beifall ihrer Fraktion. Am Ende wurde der Entwurf der CSU angenommen, wie aufgrund der absoluten Mehrheit zu erwarten war. Er sah vor, Volksfeste von einer Sperrstundenregelung bei der Alkoholabgabe auszunehmen.

Im Anschluss an das Planspiel fand ein Gespräch mit einigen  Abgeordneten des echten Landtags statt. Thorsten Schwab (CSU), Georg Rosenthal (SPD) und Günther Felbinger (Freie Wähler) stellten sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler. Von Politikverdrossenheit war dabei keine Spur. Denn die Jugendlichen zeigten auch großes Interesse an der Standortentscheidung für das Krankenhaus im Landkreis MSP. Alle drei Abgeordneten versprachen ferner, auf Fragen, die die Jugendlichen über E-Mail oder Facebook stellen, auch auf jeden Fall zu antworten.