Von Katastrophen lernen

Geschrieben von Martin Glückert.

 Begeistert zeigten sich die 5. Klassen der Staatlichen Realschule Marktheidenfeld, als sie in das Lehr-Lern-Labor der Universität Würzburg eingeladen wurden. Denn die Geographie Didaktik am Campus Nord bot allen vier Klassen einen Tag voller spannender Experimente an. Da war es auch nicht schlimm, wenn die Schule bzw. Uni bis in den späten Nachmittag dauerte. Die Dozenten Thomas Amend und Dr. Helmer Vogel führen dieses Geographie-Projekt seit fünf Semestern mit unterschiedlichen Themen durch. Dieses Mal unter dem Oberthema „Naturkatastrophen“.

Dabei profitieren sowohl Schüler wie auch die Studenten davon. Die Schüler führen selbsttätig viele Experimente durch, sie lernen entdeckend und handlungsorientiert. Die zukünftigen Lehrer dagegen eignen sich wertvolle Unterrichtspraxis an.


In Gruppen zu etwa acht Personen durchliefen die Schüler insgesamt sechs Stationen, die im 40-minütigen Turnus gewechselt wurden. Als besonders eindrucksvoll stellte sich dabei die Station „Massenbewegung“ heraus. Dort sorgten die Kinder für einen lang anhaltenden Starkregen an einem Steilhang. Dieser löste dann eine Mure, also eine Bewegung von Schlamm und Felsbrocken aus, die das „Niederdorf“ in weiten Teilen unter sich begrub. Des Weiteren konnte die Fließgeschwindigkeit eines begradigten und eines natürlichen Flusslaufes exakt gemessen werden. Anhand verschiedener Flächen wie einem Betonboden oder einem Stellplatz mit Rasengittersteinen ließ sich ebenfalls deutlich nachvollziehen, wie der Mensch Überschwemmungen durch die Versiegelung von Flächen begünstigt. Die anderen Lernstandorte „Sturmflut“, „Stürme“, „Vulkanausbruch“ und „Erdbeben“ waren ebenso lohnenswert. Denn auch hier gelang es den Lehramts-Studenten immer wieder ihr Fachwissen so anschaulich zu reduzieren, dass die Kinder alles sofort nachvollziehen konnten. Sehr abwechslungsreich mussten die Schüler Vermutungen äußern, dann wieder selbst Hand anlegen oder Probleme theoretisch wie praktisch lösen.


Außer der Entstehung von Naturkatastrophen wurden gleichermaßen auch Schutzmaßnahmen thematisiert. Erst durch den Menschen wird ein Natur-Phänomen auch zur Natur-Katastrophe. Denn durch sein Vordringen in küstennahe Gebiete, in besondere Steillagen, in die Nähe von Vulkanen mit fruchtbarer Erde oder landschaftlich schöne Talauen begibt er sich selbst in Gefahr. Neben Dämmen, Windschutzhecken, Bannwäldern oder einer erdbebensicheren Bauweise wäre der Rückzug des Menschen aus besonders gefährdeten Gebieten auch eine sinnvolle Schutzmaßnahme.