Alte Handys sind Gold wert

Geschrieben von Martin Glückert.

Sammelaktion für Handys an der Realschule

Über 124 Millionen ungenutzter Handys liegen in den Schubladen deutscher Verbraucher. Nur ein Teil davon wird irgendwann verkauft oder verschenkt. Einige werden bei einem Defekt in einer professionellen Werkstatt oder im Reparatur-Café wieder funktionstüchtig gemacht. Bloß im Hausmüll sollten diese Geräte nie landen. Einmal ist diese Art der Entsorgung umweltschädlich und verboten, zum anderen sind alte Handys viel zu kostbar. Smartphones enthalten wertvolle Rohstoffe wie Gold, Silber, Palladium, Platin und Kobalt.

Jedes Handy enthält beispielsweise etwa 24 mg Gold, das wegen seiner hohen elektrischen Leitfähigkeit und als Korrosionsschutz geschätzt wird.

Handy-Spendenaktion

Mit der Problematik des Handy-Recycling beschäftigt sich Geschichtslehrerin Theresa Manrique von der Realschule Marktheidenfeld schon länger und eingehend. Deswegen rief sie eine Handy-Spendenaktion an ihrer Schule ins Leben. Innerhalb eines Monats konnte sie eine vollständig gefüllte Aktionsbox mit 65 „alten“ Smartphones einsammeln und Christina Schlembach vom Weltladen übergeben. Die Handysammlung ist Teil einer bundesweiten Aktion von „missio und dem Kolpingwerk", soll aber laut Frau Manrique noch weiter andauern. Schließlich rechnet die Geschichtslehrerin damit, dass jetzt nach Weihnachten viele neue, ausrangierte Handys bei ihr landen. Aus den kaputten Handys werden Sekundär-Rohstoffe gewonnen. Intakte Geräte jedoch werden aufbereitet und über den online-Shop von „Mobile-Box“ verkauft, das ist eine Recyclingfirma, die mit „missio“ zusammenarbeitet.

Mehrfacher Nutzen

Mit der Handyspende sind einmal soziale Projekte verbunden: Zum Beispiel fließt ein Anteil des Erlöses in die Arbeit eines Trauma-Zentrums für Bürgerkriegsflüchtlinge in der Demokratischen Republik Kongo. Weiterhin unterstützt das Kolpingwerk Deutschland so die Bewusstseinsbildung für die Bekämpfung von Fluchtursachen. Der Hintergrund hierzu ist folgender: Im Osten der DR Kongo kämpfen bewaffnete Milizen um Bodenschätze. Durch den illegalen Verkauf von Erzen wie Koltan finanzieren sie ihren Krieg. Koltan ist ein begehrter Rohstoff, der sich in den Akkus unserer Handys befindet und diese vor Überhitzung schützen soll. Der Bürgerkrieg im Kongo sorgt dafür, dass viele Menschen zu Flüchtlingen in der eigenen Heimat wurden. Das Spenden von Handys ist zum anderen auch aktiver Umwelt- und Klimaschutz. Schließlich werden die enthaltenen Rohstoffe recycelt bzw. werden auf diese Weise weniger Bodenschätze umweltschädigend abgebaut.

Wie funktioniert das Spenden?    

Jeder Spender sollte seine alte SIM- oder Speicherkarte aus dem Handy entfernen. Bei den funktionstüchtigen Geräten, die aufbereitet und verkauft werden, werden – so versichert „Mobile Box“ - alle persönlichen Daten auf dem Smartphone gelöscht. Das Ladegerät sollte ebenfalls beigefügt sein. Ob im Weltladen oder in der Realschule, das alte Handy zu spenden, ist immer sinnvoll. Es gibt mindestens drei gute Gründe, unsere Schubladen zu öffnen: Einmal, um ein „Althandy“ fachgerecht zu entsorgen, um Platz zu schaffen und um etwas Gutes zu tun.